Kunsthalle Schweinfurt


Schweinfurt bekommt ein neues öffentliches Bauwerk. Das bedeutet einen Standpunkt zu vertreten. Diese Chance nutzen wir, um in der Stadt etwas zu machen, was es bisher nicht gab: einen öffentlichen Raum im Inneren.

Das bestehende Gebäude des Ernst – Sachs – Bades fügt sich still und unaufdringlich in den Umraum. Durch seine weißen, geschlossenen Wände und besonders die Typologie des Kreuzgangs strahlt es eine meditative Ruhe aus. Eine Kunsthalle verstehen wir jedoch als Aktivator öffentlichen Lebens und des Denkens. Daher wird der Bestand in einer Weise transformiert, welche die Idee des Architekten Roderich Ficks verstärkt - den Umgang tatsächlich möglich macht - und im Sinne einer zeitgenössischen Kunstproduktion die Einbindung des Betrachters ermöglicht.

Der Kreuzgang findet seine Vollendung in einem Kreislauf von Galerien, der in der ehemaligen Schwimmhalle kulminiert. Darüber hinaus suggeriert der Umgang jedoch eine zeitliche Struktur: er dient als Pause, als neutralisierender Zwischenraum den man von einer Ausstellung zur anderen durchquert oder in dem man sogar verweilt.

Überlagert wird diese Raumfigur von einem Durchstoß von Süden nach Norden. Dieser ergibt sich aus der städtebaulichen Lage zwischen Vorplatz respektive Park und Stadttheater. Der alte Haupteingang wird radikal transformiert und zeigt so die Umnutzung an. Der Passant durchquert nun das Gebäude und tritt an den „Schnittflächen“ ein. Kunsthalle, Kunstverein und Café haben jeweils einen direkten Zugang. Der Innenhof ist von besonderem Charakter: ein topografischer Raum vermittelt den Gedanken des Zusammenwirkens von Alt und Neu, von Kreuzgang und Durchstoß.

Die weiteren Funktionsbereiche gliedern sich an: Beim Museumsladen und Café liegt das pädagogische Zentrum. Die Depots und Werkstätten legen sich um die große Halle und im oberen Geschoß des Südflügels befindet sich die Verwaltung mit separaten Eingang. Die Umbauten tragender Teile beschränken sich überwiegend auf die beiden Flügel, in denen die Stahlbetondecken korrodiert sind.

Der vorliegende Entwurf verwandelt das Gebäude an sich in ein ‚Seh-Apparat’, in dem der Bezug zwischen Objekt und Subjekt ständig gefiltert und neu definiert werden: Die Kunst, das städtische Leben, die existierende Bausubstanz und nicht zuletzt der Besucher werden gleichermaßen zur Schau gestellt.

Wettbewerb
2005
Mit Stefan Gruber

« zurück zur Übersicht