Aachen St. Leonhard


Der Ort für die Erweiterung des St. Leonhard Gymnasiums und den neuen Platz ist zentral in der mittelalterlichen Kernstadt von Aachen und in Sichtweite des karolingischen Doms gelegen. Dieser öffentliche Raum ist eine stadtstrukturelle Besonderheit, da sich hier historisch kein Platz befunden hat und der Platzraum erst durch die Folgen des 2. Weltkriegs entstanden ist. Mit der Verlegung der Prinzenhofstraße und der Bebauung eines Teilbereichs des Platzraums wird ein neuer Zustand geschaffen. Gleichzeitig thematisiert die Stadt Aachen mit der Route Charlemagne ihre Bedeutung als europäische Kultur- und Wissenschaftsstadt.

Der Erweiterungsbau für St. Leonhard ergänzt selbstverständlich die Platzkanten im Süden und Osten, wo bisher nur eine kleinteilige Wohnbebauung besteht, die sich nicht dem Platz zuwendet. Mit der St. Michaelskirche im Norden und der denkmalgeschützen Fassade des St. Leonhard Gymnasiums im Westen wird der Platz nun allseitig gefasst. Der so entstehende Platz wird als multifunktional nutzbarer Raum verstanden, der sich für Feste der Schule oder auch der Kirchengemeinde sowie für Flohmärkte und andere temporäre Nutzungen anbietet. Der neue Platz liegt nicht direkt an einer der Hauptbewegungsachsen in Aachen und hat damit eher eine Relevanz für das umliegende Quartier. Der Charakter eines Ortes zum eher ruhigen Aufenthalt wird durch die zurückhaltende Gestaltung und das Angebot an Sitzmöglichkeiten bestärkt. Die Mensa kann sich an schönen Tagen in den Platzraum erweitern. Die Sitzgruppe vor dem Eingang findet ihre Fortsetzung im Foyer des Neubaus – Platz und Gebäude gehen ineinander über.

Der Stadtgrundriss zeigt deutlich die Rasterverschiebung zwischen der genau nach den Himmelsrichtungen ausgerichteten karolingischen und der dazu um 38° gedrehten römischen Bebauung. Dies wird in der Gestaltung der Freifläche aufgenommen. Die Jesuitenstraße ist Teil des römischen Systems; das Pflaster dort verläuft senkrecht zur Straße. In Verlängerung der Prinzenhofstraße folgt das Pflaster zum Dom hin in Nord-Süd-Richtung dem karolingischen System. Die Hauptbewegungsrichtungen auf dem Platz sind wiederum in Pflasterkorridoren abgebildet, so dass der Eindruck des verwobenen Stadtgrundrisses widergespiegelt wird.

Die Möblierung auf dieser großzügigen Fläche erfolgt mit typischen Freiraumelementen aus ganz Europa ganz nach dem Europa-Motto „In Vielfalt geeint“: Französische Bänke; Wiener Mistkübel; Poller aus den Niederlanden, die Amsterdammertjes; schwedische Gullydeckel und ein Berliner Trinkbrunnen. Bei Bedarf kann die Platzfläche mit weiterer Möblierung aus europäischen Ländern ergänzt werden. Alle Elemente bringen eine Geschichte aus ihrem Herkunftsland mit und erzählen sie vor Ort. Sie sind Funktionselement für den neuen Aachener Freiraum und gleichzeitig Ausstellungsobjekt und Beweis für die gelebte „Vielfalt in der Einheit“.

Eingeladener Wettbewerb
2009
Mit IP Arch
Wettbewerbsgebiet: 2800 qm


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